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Nach Alibis muss gar nicht erst gesucht werden

29. 05. 2009 - Enrico Barz

Erwartungsgemäß hat sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft heute in Shanghai nicht mit Ruhm bekleckert. Gegen China reichte es lediglich zu einem 1:1. Und der Auftritt der DFB-Elf war alles andere als überzeugend.

Dabei hatte die Partie recht viel versprechend begonnen. Trotz des frühen Rückstandes durch den Treffer von Hao Junmin (5.) spielte das Team von Joachim Löw engagiert. Die Antwort in Form des Ausgleichs ließ denn auch nicht lange auf sich warten. Lukas Podolski verwertete eine schöne Vorarbeit von Bastian Schweinsteiger zum 1:1 (8.). Der anfängliche Enthusiasmus verschwand aber recht bald, denn die Chinesen bissen sich richtiggehend in die Partie. Mit viel Lauffreude und großem Einsatz machten sie den DFB-Kickern das Leben schwer. Die giftige, aber stets faire Zweikampfführung brachte den einen oder anderen deutschen Spieler regelrecht zur Weißglut. So erklären sich auch die beiden Gelben Karten. Philipp Lahm, sonst ein Vorbild in Sachen Sportlichkeit, langte zweimal kräftig hin. Und Lukas Podolski stand gar am Rande eines Platzverweises. Schiedsrichter Lee Min Hu musste ihm eindringlich ins Gewissen reden, verzichtete aber darauf, den roten Karton zu zücken. Zudem verstanden es die Chinesen dank disziplinierten Auftretens, die Räume geschickt eng zu machen. Darüber hinaus trugen sie wieselflink und mit großer Begeisterung ihre Angriffe vor. So wurden einige gefährliche Szenen kreiert. Und Robert Enke war häufiger gefordert, als ihm lieb sein konnte.

Alibis sind schnell gefunden

Der deutschen Mannschaft gelang es im weiteren Spielverlauf nicht mehr, Dominanz auszuüben und die fußballerischen Vorteile zur Geltung zu bringen. Die Hoffnungen, gegen Ende konditionelle Vorteile zu haben, zerschlugen sich ebenfalls. Die lange Saison und die Reisestrapazen sprachen dagegen. Und damit wären wir schon bei den Alibis, die sich anführen lassen, um die schwache Leistung zu erklären. Das Fehlen von zahlreichen Stammspielern, die noch Vereinsverpflichtungen nachgehen, gehört hier ebenfalls dazu. Die Suche nach diesen Ausreden erübrigt sich also, das alles war schon vorher klar.

Kritik an dieser Asienreise wurde laut genug geäußert. Sportlich ist das Ganze sicherlich fragwürdig. Sportpolitisch und wirtschaftliche dagegen besteht einfach die Notwendigkeit, den asiatischen Markt für den deutschen Fußball zu erschließen. Dabei sind die Deutschen nicht einmal die ersten. Vielmehr geht es darum, gegenüber den Engländern nicht gänzlich den Anschluss zu verlieren. Dennoch erhoffte sich Joachim Löw Aufschlüsse auch aus diesem Spiel gegen China. Und er wird sicherlich Erkenntnisse gewonnen haben. Schließlich gehören einige Spieler zum Kader, die nicht mehr sonderlich viele Chancen bekommen werden, sich für höhere Aufgaben zu empfehlen. Da gilt es, jede Gelegenheit zu nutzen, um Pluspunkte zu sammeln. Dies wurde heute versäumt.

Die Frage der Ehre stellt sich nicht mehr

Unbestritten ist natürlich, dass die Spannung ganz einfach raus ist bei den Profis. Eine lange Saison fand am letzen Wochenende ihren Abschluss. Einige hatten Grund zu Feiern, andere mussten Enttäuschungen verarbeiten. Im Hinterkopf steckt einfach drin, dass es in diesen Länderspielen nicht wirklich um etwas geht. Diese wenigen Prozente fehlen neben den körperlichen Defiziten dann einfach, um den Weltranglisten-97. in die Schranken zu weisen. Dies war von vornherein absehbar und ließ eigentlich ein derartiges Spiel erwarten. Die Ehre, den Adler auf der Brust tragen zu dürfen, genügt heute eben offenbar nicht mehr, um das volle Leistungspotenzial abzurufen.

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