Der hilfreiche Härtetest geht verloren03. 03. 2010 - Enrico BarzOhne ein erhofftes Erfolgserlebnis startete die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ins WM-Jahr 2010. Das Freundschaftsspiel gegen Argentinien ging mit 0:1 verloren. Gonzalo Higuaín nutzte kurz vor der Pause eine Unachtsamkeit in der Defensive des Gastgebers, um vor 65.152 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena zum Tor des Tages einzuschießen.
Insgesamt lässt sich von einem verdienten Erfolg der Südamerikaner sprechen. Die "Albiceleste" war technisch und taktisch an diesem Tag einfach besser. In dieser Form überraschte das schon, denn die Mannschaft konnte unter Trainer Diego Maradona zuletzt nicht überzeugen, löste nur mit Mühe das WM-Ticket. Umso erstaunlicher, wie gut den argentinischen Profis heute die europäische Luft tat. Nahezu optimal gestaffelt, demonstrierten die "Gauchos" eine perfekte Raumaufteilung. So wirkte es, als hätten die Gäste immer mindestens einen Mann mehr auf dem Platz.
Rasenschach in München
Es entwickelte sich eine Partie, die, von der Taktik geprägt, für die Zuschauer nur allenfalls eine Handvoll Torchancen auf beiden Seiten zusammen bereithielt. Die Mannschaften gingen derart konzentriert und vor allem diszipliniert zur Sache, das ließ schon fast Pflichtspielcharakter erkennen. Das deutsche Team stand den Argentiniern also nicht viel nach, ließ ebenfalls wenig zu. Aber den Männern von Joachim Löw unterlief der eine Fehler zu viel, der auf diesem Niveau dann eben bestraft wird. Bei einem langen Ball von Ángel di María war die gesamte Hintermannschaft schlecht postiert. Per Mertesacker stand als letzter Mann zu allem Überfluss ebenfalls nicht richtig, so dass Gonzalo Higuaín den nötigen Raum bekam. Und dann stürzte auch noch René Adler übermotiviert aus seinem Tor heraus und verfehlte dabei den Ball. Ohne Mühe konnte der argentinische Stürmer von Real Madrid in den leeren Kasten einschießen.
Torhüter leiden an Unterbeschäftigung
Darüber hinaus wirkte das Angriffsspiel der beiden Mannschaften eingezwängt im taktischen Korsett. Hatten die Argentinier immerhin noch drei Torgelegenheiten, so verkümmerte die Offensive der Deutschen regelrecht. Lediglich bei einem Distanzschuss von Toni Kroos, neben Thomas Müller heute Debütant in der A-Nationalmannschaft, musste sich Gästekeeper Sergio Romero einmal strecken.
DFB-Team weiter als vor vier Jahren
Dennoch sollte dieses Spiel Joachim Löw viele Hinweise geben. An der Abstimmung kann ohnehin noch gefeilt werden im Vorfeld der WM. In jedem Fall aber gingen alle Spieler sehr couragiert zur Sache. Deutlich wurde dies in den Zweikämpfen. Das Engagement lässt sich belegen durch die insgesamt sechs Gelben Karten - drei auf jeder Seite -, was recht viel für ein Freundschaftsspiel ist.
Dieser ernsthafte Test gegen die Argentinier bietet dem Bundestrainer ohne Frage deutlich mehr Aufschlüsse als irgendein lustloses Gekicke gegen einen Fußballzwerg. Trotz der Defizite präsentierte sich die Mannschaft deutlich konkurrenzfähiger als vor ziemlich genau vier Jahren. Damals ließ man bei einer 1:4-Niederlage in Florenz gegen Italien jegliche WM-Tauglichkeit vermissen und verursachte einen Aufschrei des Entsetzens im ganzen Land. Insofern ist die Ausgangsposition mit Blick auf das Turnier in Südafrika momentan viel günstiger. |
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