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Ein Fazit zum Konföderationenpokal 2009

30. 06. 2009 - Enrico Barz

Der FIFA Confederations Cup 2009 ist Geschichte. Die Mannschaft Brasiliens konnte ihren Titel erfolgreich verteidigen, ist mit drei Triumphen Rekordchampion dieses seit 1992 ausgetragenen Wettbewerbs. Insgesamt lässt sich von einer gelungenen Veranstaltung sprechen, die über weite Strecken durchaus unterhaltsamen Fußball bot.

Schwach besetzte Gruppe A

Abstriche im sportlichen Bereich sind unumgänglich. Vom Niveau her bot sich in diesem mit acht Mannschaften doch recht kleinen Teilnehmerfeld ein enormes Gefälle. Dem Irak oder Neuseeland gelang es zwar zum Teil, mit ausgeklügelter Defensivtaktik einem favorisierten Gegner das Leben schwer zu machen. So etwas kann mitunter in einem Spiel funktionieren. Auf Dauer sind diese Teams allerdings nicht konkurrenzfähig, können einem großen Turnier lediglich ein gewisses Maß an Vielfalt verschaffen. Der Irak wird bei der WM in einem Jahr ohnehin nicht dabei sein, Neuseeland muss sich noch in einem Play-off-Duell gegen Bahrain oder Saudi-Arabien qualifizieren.

Die Gruppe A war bei diesem Confed-Cup deutlich schwächer besetzt. Auch Südafrika begann auf dem eben beschriebenen Niveau. Doch die Gastgebermannschaft wusste sich im Turnierverlauf zu steigern, weckte am Ende als Vierter große Hoffnungen im Hinblick auf das kommende Jahr.

Spanien dennoch wegweisend, aber Brasilien triumphiert

Zu den prägenden Teams zählte eindeutig Spanien. Zwar rissen die Rekordserien der Iberer im Halbfinale bei der 0:2-Niederlage gegen die USA, doch wies die "Selección Española" ihre Ausnahmestellung im Weltfußball nach. Trotz langer Saison, trotz laufender Transferverhandlungen - die Spanier wurden letztlich Dritter und können angesichts ihrer modernen Art, Fußball zu spielen, als aktuell beste Mannschaft weltweit bezeichnet werden.

Nicht allzu weit dahinter folgt Brasilien, womit wir in der anderen Gruppe wären. Die Südamerikaner überzeugten weniger durch Ballzauber. Vielmehr wussten sie mit einer außergewöhnlichen Gefährlichkeit bei Standardsituationen, einer insgesamt kontrollierten, disziplinierten Spielweise und einem nicht selbstverständlichen Teamgeist zu überzeugen. Letzteres ist sicherlich ein großes Verdienst von Trainer Carlos Dunga, der viel Wert auf die Zusammenstellung seines Kaders legt, so auch nicht davor zurückschreckt, die großen Stars (Ronaldinho, Ronaldo) zu verschmähen. Dem Klima innerhalb des Teams tut das sehr gut. Es wird interessant sein, zu beobachten, ob Dunga das in den kommenden Monaten derart konsequent durchhält. Die Zeit wird kommen, wo die Öffentlichkeit in der Heimat nach den großen Namen ruft.

Die Turnierüberraschung

Finalgegner USA gehörte zu den großen Überraschungen beim Konföderationenpokal 2009. Vor dem letzten Gruppenspiel nach zuvor zwei Niederlagen beinahe schon abgeschrieben, brachte die Mannschaft von Bob Bradley ein 3:0-Sieg gegen Ägypten doch noch ins Halbfinale, wo man dann die Spanier auf dem falschen Fuß erwischte. Auch im Endspiel gaben die Soccer-Boys eine gute Figur ab, erwiesen sich als würdiger Finalist. Der zweite Platz ist ein sehr großer Erfolg für die US-Amerikaner, die mit einem fast komplett anderen Kader im Juli beim CONCACAF Gold Cup 2009 ihren Titel des Nord- und Mittelamerikameisters verteidigen wollen. Lediglich vier Spieler aus dem Aufgebot werden dann ebenfalls dabei sein.

Die Turnierenttäuschung

Zu den größten Enttäuschungen beim Confed-Cup gehörte Italien. Der Weltmeister schied bereits in der Vorrunde aus. Gegen Ägypten setzte es ein peinliches 0:1. Und von den Brasilianern wurde man phasenweise vorgeführt (0:3). Die "Squadra Azzurra" hatte offenbar die größten Motivationsprobleme. Doch mehr Sorge sollte Trainer Marcello Lippi die Instabilität in der Defensive bereiten. Die fast schon traditionelle italienische Qualität schien in Südafrika verloren gegangen zu sein. Dies einzig auf den 35-jährigen Fabio Cannavaro zu schieben, erscheint allerdings zu einfach. Auch wenn der Kapitän und Abwehrchef trotz großer Erfahrung falsche Entscheidungen traf und eben nicht mehr der Schnellste ist. Die Rufe nach einem personellen Umbruch sind gewiss richtig. Vorwürfe gegenüber Lippi, diesen nicht längst eingeleitet zu haben, sind nicht ganz haltbar. Denn auch beim italienischen Fußballverband (FIGC) schenkte man der U21-Europameisterschaft große Aufmerksamkeit. Ähnlich wie beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde den Junioren jede Unterstützung zuteil. Nachwuchstrainer Pierluigi Casiraghi konnte somit in Schweden u. a. auf Mario Balotelli bauen, der sonst mit Sicherheit mit nach Südafrika gereist wäre.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Mit zwiespältigen Gefühlen blickt Ägypten auf den Konföderationenpokal zurück. Während man dem Rekordweltmeister Brasilien zum Auftakt alles abverlangte und erst durch einen Handelfmeter in der Nachspielzeit mit 3:4 verlor, darüber hinaus Weltmeister Italien mit 1:0 besiegte, was in der Heimat euphorisch gefeiert wurde, so wusste die Mannschaft von Hassan Shehata mit dieser guten Ausgangsposition nichts anzufangen. Als es im letzten Gruppenspiel richtig ernst wurde, ließen sich die Nordafrikaner ohne wirklich konstruktive Gegenwehr von den US-Amerikanern abservieren (0:3). Diese zwei Gesichter plagen den ägyptischen Fußball schon eine Zeit lang. Auf dem afrikanischen Kontinent gilt man als große Nummer, wurde zuletzt zweimal in Folge Afrikameister. Doch je globaler die Ziele werden, desto unberechenbarer zeigt sich das Leistungsvermögen. In den meisten Fällen scheitert man bereits auf dem Weg dorthin. Auch in der aktuellen WM-Qualifikation stehen die Ägypter bereits mit dem Rücken zur Wand, müssen am 05. Juli gegen Ruanda unbedingt gewinnen.

Die Besten des Turniers

Als bester Spieler des Turniers wurde Kaká geehrt, er nahm den "Goldenen Ball" mit nach Hause. Ihm folgten sein brasilianischer Mannschaftskollege Luís Fabiano und der US-Amerikaner Clint Dempsey, deren Trophäen silber- bzw. bronzefarben schimmerten. Den "Goldenen Schuh" als bester Torjäger nahm dank seiner fünf Treffer Luís Fabiano entgegen. Unter den Torhütern wurde Tim Howard (USA) als führender seiner Zunft ausgewählt. Und die Faiplay-Trophäe bekam Lúcio als Kapitän der geehrten Mannschaft Brasiliens überreicht.

Wiedersehen macht Freude

Fünf Mannschaften des Teilnehmerfeldes beim Confederations Cup werden wir in einem Jahr vermutlich wieder sehen. Gastgeber Südafrika ohnehin - für Brasilien, Spanien, Italien und die USA sollte die Qualifikation nur noch Formsache. Neuseeland und Ägypten werden sich strecken müssen, um noch ein WM-Ticket zu lösen. Und dem Irak wird das nicht mehr gelingen, der Asienmeister von 2007 ist bereits ausgeschieden.

Organisatorischer Ausblick auf 2010

Um abschließend vom sportlichen Geschehen abzuschweifen, die Organisatoren und der Weltfußballverband FIFA sollten nun wissen, wo es den Hebel anzusetzen gilt. Die Begeisterung in Südafrika ist groß, muss aber an mancher Stelle noch in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Die WM 2006 in Deutschland hat sicherlich Maßstäbe gesetzt, die Latte liegt entsprechend hoch. Andere Ausrichter sollten sich gewiss daran orientieren. Doch ein Vergleich verbietet sich eigentlich, Nachsicht muss in Südafrika auf jeden Fall geübt werden. Ein solch unbeschertes Fußballerlebnis kann es 2010 weder für die Beteiligten noch für die Besucher geben. Die Umstände lassen dies nicht zu. Schon bei flüchtiger Betrachtung sprechen drei Aspekte dagegen: Jahreszeit, Infrastruktur, Kriminalität. Eine gelungene und für den "schwarzen Kontinent" unvergessliche Weltmeisterschaft kann es im kommenden Jahr natürlich dennoch werden. Und an die Tinnitus-Tröten, im südafrikanischen Volksmund auch Vuvuzela genannt, werden wir uns hoffentlich alle gewöhnen.

Mehr zum Thema: • Spielplan FIFA Konföderationenpokal 2009 • Lúcio schießt Brasilien zum Titelgewinn Zum Artikel
 

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