Mittellos in die Niederlage12. 02. 2009 - Enrico Barz
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft verlor am Abend das Freundschaftsländerspiel unter dem geschlossenen Dach der Düsseldorfer LTU Arena gegen Norwegen mit 0:1. Ein Treffer von Christian Grindheim in der 63. Spielminute sorgte für den letztlich nicht unverdienten Sieg der Skandinavier.
Norwegische Tradition
Die deutsche Elf war über weite Strecken optisch überlegen. Effektiver, cleverer und zielstrebiger jedoch agierten die Gäste, die darüber hinaus deutlich mehr Torgefahr ausstrahlten. Die Männer von Joachim Löw kamen mit den schon traditionell defensiv sehr gut organisierten Norwegern überhaupt nicht zurecht. Zudem wirkten die Skandinavier hoch konzentriert, standen ganz eng am Gegner und ließen über die Dauer der Partie auch nicht nach. Konsequent zogen sich alle Spieler bei gegnerischem Ballbesitz weit in die eigene Hälfte zurück.
Kann man der norwegischen Trainerlegende Egil Olsen die antiquierte Spielweise anlasten, wenn doch der Erfolg diese Mittel heiligt? Schließlich waren es die Gäste, die mit ihren Offensivbemühungen weit mehr Wirbel verursachten, selbst wenn dabei nur drei oder vier Akteure beteiligt waren. Dies wiederum zeigt, wie indisponiert sich die Deutschen heute präsentierten. Anders als sonst in Freundschaftsspielen lag es nicht einmal an der Einstellung. Der Wille war da und deutlich erkennbar. Doch es fehlten die Mittel, diese Norweger ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Rhythmuswechsel zwischen normal und langsam genügen da eben nicht. Nur in hohem Tempo lässt sich solch ein Gegner in Fehler treiben. Was darüber hinaus auffiel, war das mitunter verheerende Defensivverhalten der DFB-Elf. Vor allem in der Rückwärtsbewegung nach Ballverlusten lag vieles im Argen. Und genau das ermöglichte es den Norwegern, Torchancen zu kreieren.
Fehlende Impulse von der Bank
Erschwerend aus deutscher Sicht kam natürlich der experimentelle Charakter hinzu, den der Bundestrainer der zweiten Halbzeit durch seine sechs Spielerwechsel gab. Der neue Sturm mit den Leverkusenern Patrick Helmes und Stefan Kießling, die mehr als 20 Minuten gemeinsam auf dem Platz standen, blieb komplett wirkungslos. Generell konnten die Einwechsler nahezu keinerlei Akzente setzen, was gerade von den beiden Debütanten Andreas Beck und Mesut Özil auch gar nicht erwartet wurde.
Die Erkenntnis, wie es eben nicht funktionieren wird
Es war eben ein Testspiel. Joachim Löw probierte aus. Und den Gegner hatte man ganz bewusst gewählt. Wohl wissend, dass Norwegen mit seinem meist unattraktiven Stil zum Unangenehmsten zählt, was einer Mannschaft auf dem grünen Fußballrasen begegnen kann. Doch genau das sollte den Ernstfall simulieren, den es in den kommenden WM-Qualifikationsspielen geben wird. Und obwohl die deutsche Mannschaft heute gründlich versagte, so weiß man im DFB-Lager jetzt zumindest, wie man beispielsweise im Millennium Stadium zu Cardiff gegen Wales keinesfalls bestehen kann.
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