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Zur Lage der Fußballnation

18. 08. 2008 - Enrico Barz (Erschienen auch bei Offside.at)

Im Schatten der Olympischen Spiele hat der Fußball-Alltag wieder begonnen. Am vergangenen Wochenende öffneten die Stadien der Bundesliga ihre Pforten. Und auch die deutsche Nationalmannschaft lässt sich da nicht lange bitten. Wie für viele andere Teams in Europa beginnt schon am Mittwoch die neue Zeitrechnung, dann machen sich die Auswahlmannschaften auf den langen und beschwerlichen Weg Richtung WM 2010 in Südafrika.

Die DFB-Elf startet dieses Unterfangen in Nürnberg mit einem Freundschaftsländerspiel gegen Belgien. Zwar wussten die "Roten Teufel" in der jüngeren Vergangenheit selten zu überzeugen, gelten in Europa allenfalls als zweitklassig, doch könnte sich die Mannschaft von Trainer René Vandereycken in solch einer frühen Saisonphase durchaus als ernster Prüfstein erweisen. Gerade sorgt die belgische Olympia-Auswahl in Peking für Furore. Nach einem 3:2-Sieg über Italien steht das Team bereits im Halbfinale des olympischen Fußballturniers. Ein Unterschätzen der Belgier sollte also tunlichst unterbleiben.

Personell ändert sich wenig

Eine Standortbestimmung wird es für die Männer von Joachim Löw gewiss. Dies aber einzig in Sachen Form. Denn personell ändert sich so viel nicht. Natürlich wird uns nach dem Rücktritt von Jens Lehmann die Suche nach einer neuen Nummer eins eine Zeit lang beschäftigen. Notwendigerweise werden einige junge Spieler an die Nationalmannschaft herangeführt. Doch letztlich bleibt das Stammpersonal der deutschen Auswahl zusammen. Die Mannschaft, die in dieser Zusammensetzung 2006 WM-Dritter und 2008 Vize-Europameister wurde, soll in zwei Jahren den nächsten, logisch folgenden Schritt ganz an die Spitze gehen.

Die Improvisationsfähigkeit von "Jogi" Löw wird dennoch gerade in den Freundschaftsspielen immer wieder gefragt sein. Auch am Mittwoch fehlen einige Profis wegen Verletzung oder Trainingsrückstand. Michael Ballack, Torsten Frings, Tim Borowski, Per Mertesacker und Arne Friedrich beispielsweise können nicht dabei sein. Dafür aber bekommen Akteure ihre Chance, die zuletzt schon auf dem Sprung waren. Patrick Helmes, Marko Marin und Serdar Tasci - das sind die Neuen im Vergleich zur Europameisterschaft. Und in der Torwartfrage hat der Bundestrainer nach der Verletzung von René Adler den Konkurrenzkampf gleich mit einem weiteren neuen Namen angeheizt - Tim Wiese.

Taktische und spielerische Defizite

Personell muss das Trainerteam also lediglich punktuell Veränderungen vornehmen. Die Hauptaufgabe jedoch wird sein, die Mannschaft taktisch und spielerisch wieder auf den Weg zu bringen. Im Vergleich zur WM 2006 war in dieser Hinsicht bei der EURO 2008 nicht wirklich eine Weiterentwicklung erkennbar. Erwies man sich vor zwei Jahren beim Turnier im eigenen Land tatsächlich sogar als die vielleicht optisch beste Mannschaft, so wurde dies bei der EM nicht bestätigt. Mit Russen und Niederländern konnte man bei Weitem nicht mithalten. Und die 0:1-Niederlage im Finale gegen Spanien brachte die Unterlegenheit der DFB-Elf nicht einmal ansatzweise zum Ausdruck.

Die Weiterentwicklung von Mannschaft und Spielern wird ein Prozess über die kommenden knapp zwei Jahre sein. Am Mittwoch kommt es in erster Linie zunächst auf die Einstellung der Herren Nationalspieler an. Davon wird abhängen, ob man gegen Belgien besteht, und ob die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen gelungen Start in die neue Saison und das Projekt WM 2010 erwischt.


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